Wer On-Prem betreibt, sollte die Migration jetzt planen: Shared SaaS, Preferred SaaS (dedizierter Tenant, ohne Re-Enrollment der Geräte) oder – für regulierte Umgebungen – die partner-gehostete Sovereign Solution.
Wenn ihr in den letzten Monaten Omnissa-Blogs, KB-Artikel oder Community-Posts verfolgt habt, seid ihr an einem Begriff nicht vorbeigekommen: Modern SaaS Architecture, intern und in der Community meist ModStack (Modern Stack) genannt. Klingt erstmal nach Marketing – ist aber die größte technische Umbaumaßnahme in der Geschichte der Plattform seit den AirWatch-Tagen. Und sie hat handfeste Konsequenzen: für die tägliche Administration, für die Feature-Roadmap und vor allem für alle, die noch On-Premises unterwegs sind.
In diesem Beitrag erkläre ich, was ModStack technisch ist, warum Omnissa diesen Schritt geht, welche Features die neue Architektur bereits gebracht hat und noch bringen wird – und wo für On-Prem-Kunden die harte Deadline liegt.
Was ist ModStack? Der Umbau plausibel erklärt
Workspace ONE UEM stammt architektonisch aus der AirWatch-Ära: ein monolithischer Stack aus Windows-Servern (Console, Device Services, AWCM, API) und einer zentralen MS-SQL-Datenbank. Dieselbe Codebasis lief On-Prem beim Kunden und in Omnissas SaaS-Rechenzentren – die SaaS war im Kern eine gehostete On-Prem-Installation.
Das Modell hat zwei strukturelle Probleme. Erstens die Skalierung: Ein Monolith skaliert nur als Ganzes – wer mehr Enrollment-Durchsatz braucht, muss den kompletten Stack größer ziehen, auch wenn nur eine Teilfunktion am Limit ist. Zweitens die Release-Geschwindigkeit: Jede Änderung muss durch den gesamten Monolithen getestet und als großes Release ausgerollt werden. Quartalsweise Major-Releases plus Patch-Zyklen waren die Folge – in einer Welt, in der Apple und Google im Wochentakt neue MDM-Anforderungen liefern, ein echtes Handicap.
ModStack löst beides, indem das Backend in Microservices zerlegt wird: einzelne, unabhängig deploybare Dienste (Enrollment, Profil-Engine, App-Delivery, Event-Verarbeitung usw.) in Containern, orchestriert in einer Cloud-nativen Umgebung. Jeder Dienst skaliert für sich, jeder Dienst kann einzeln aktualisiert werden – ohne Big-Bang-Release, ohne Wartungsfenster für die ganze Plattform. Die Kommunikation zwischen UEM und Geräten wurde laut Omnissa dabei um mehr als das Zehnfache beschleunigt: Neue Apps und Settings kommen praktisch sofort auf dem Gerät an („Desired State“ statt Polling-Warterei).
Warum macht Omnissa das?
- Innovationsgeschwindigkeit: Features können pro Microservice entwickelt und ausgerollt werden. Bestes Beispiel: Die Apple-DDM-Integration importiert Declarative-Management-Konfigurationen inzwischen automatisch aus Apples GitHub-Repository – Day-0-Support für neue iOS-Releases (z. B. iOS 26), ohne dass die Plattform ein Versions-Upgrade braucht.
- Skalierung und Resilienz: Lastspitzen (Massen-Enrollments, große Rollouts) treffen nur die betroffenen Dienste, die horizontal skalieren. Ausfälle bleiben lokal begrenzt statt die Konsole komplett zu reißen.
- Infrastruktur-Neutralität: Die containerisierte Architektur läuft auf Public Clouds ebenso wie in privaten Rechenzentren. Genau das ermöglicht die neue Omnissa Sovereign Solution – ein von qualifizierten Partnern komplett lokal gehostetes, modernes UEM für regulierte Branchen (Stichwort GDPR, BDSG, CLOUD-Act-Risiken).
- Eine Codebasis statt zwei Welten: Die Pflege des On-Prem-Monolithen parallel zur SaaS band Entwicklungsressourcen. Die Konsequenz ist bekannt – und Thema des letzten Abschnitts.
Was ModStack an Features bringt – heute und morgen
Bereits verfügbar (auf Modern-SaaS-Umgebungen)
- Massiv beschleunigte Geräte-Kommunikation und häufigere Desired-State-Abgleiche – Profile und Apps erreichen Geräte deutlich schneller.
- Fast Lane Deployment für sofortige Auslieferung kritischer Updates.
- App-Exclusions auf Versions-Ebene statt pauschal pro Bundle-ID – granulareres App-Management (Achtung, Verhaltensänderung – siehe Warn-Box unten).
- Verbesserte Troubleshooting-Event-Logs mit mehr Detailtiefe in der Konsole.
- Apple DDM mit automatischem Konfigurations-Import aus dem Apple-GitHub-Repository (Day-0-Support ohne Plattform-Upgrade).
- Intelligence-UEM Modern Integration: komplett überarbeitete Datenpipeline mit End-to-End-Monitoring, erweitertem Schema und Daten-Joins in Dashboard-Widgets (erfordert Modern Architecture 2506 Patch 16 oder neuer).
Auf ModStack gebaut: die Feature-Welle 2602/2604
Die jüngsten Releases zeigen, wofür der Umbau gemacht wurde – dieses Tempo und diese Feature-Dichte wären auf dem Monolithen kaum denkbar gewesen:
- Next-Gen Windows Management: Intelligent Hub Managed Mode ohne OMA-DM-Abhängigkeit, koexistenzfähig mit SCCM/anderen MDMs, Server-side Step-up von Registered zu Managed – und Windows Server Management (GA in 2604).
- Vulnerability Defense (Limited Availability, 2604): CVE-zu-Endpoint-Mapping mit CrowdStrike-Integration und Remediation direkt aus der Konsole.
- Enterprise App Repository für Windows (10.000+ Apps) und macOS (kuratierter Katalog mit Auto-Updates).
- Phased App Deployments, eSIM-Management für Android, erweiterte AMAPI-Policies, modernisierte Konsolen-UI – die Liste wächst mit jedem Release.
Die Richtung ist klar: Neue Features erscheinen zuerst – und zunehmend ausschließlich – auf der Modern-SaaS-Schiene.
On-Premises: Endstation 2410 – die Fakten zur Deadline
Die Kehrseite der ModStack-Strategie: Der On-Prem-Monolith wird nicht auf die neue Architektur portiert. Das bedeutet im Klartext:
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Bis zu welcher Version kann On-Prem upgegradet werden? | Workspace ONE UEM 2410 (24.10) ist die letzte installierbare On-Prem-Version. Einen Upgrade-Pfad auf 2412, 25xx oder 26xx gibt es nicht. |
| Gibt es noch Patches? | Ja – bis zum End of Support werden für 2410 weiterhin Patches bereitgestellt, aber keine neuen Funktionen. |
| Wann ist Schluss? | End of Support: 30. April 2027. Danach gibt es weder Patches noch Support. |
| Bis wann sollte migriert werden? | Deutlich vor dem 30.04.2027 – die Migration selbst (inkl. ACC/UAG/SEG-Neuaufbau, Tests, ggf. Re-Enrollment) braucht je nach Umgebung mehrere Monate Vorlauf. Alle Komponenten müssen für eine unterstützte Migration auf supporteten Versionen laufen. |
Wichtig zur Einordnung der Frage „bis wann kann ich noch zu SaaS migrieren“: Es gibt keinen technischen Stichtag, an dem die Migration abgeschaltet wird. Aber nach dem 30.04.2027 betreibt ihr eine unsupportete, ungepatcht alternde Plattform – jede Migration von dort ist ein Risiko-Projekt ohne Herstellerrückendeckung. Praktisch ist der 30.04.2027 daher die Deadline, bis zu der die Migration abgeschlossen sein sollte, nicht gestartet.
Die drei Migrationspfade
| Pfad | Modell | Besonderheit |
|---|---|---|
| Shared SaaS | Public Cloud, geteilte Ressourcen | Kostengünstigster Einstieg; Re-Enrollment der Geräte erforderlich |
| Preferred SaaS | Public Cloud, dedizierter UEM-Tenant | Migration ohne Re-Enrollment der Geräte möglich (Device Migration); höhere Kosten |
| Sovereign Solution | Partner-gehostet im lokalen Rechenzentrum | Für regulierte Branchen (Energie, Finanzen, Healthcare, Public); volle Datensouveränität auf ModStack-Basis |
Fazit
ModStack ist kein Buzzword, sondern die Grundlage für alles, was bei Workspace ONE in den nächsten Jahren passiert – von Day-0-OS-Support über Next-Gen Windows Management bis zur Sovereign Solution. Für SaaS-Kunden heißt das: schnellere Features, aber auch ein paar Verhaltensänderungen, die man vor der Umstellung sauber vorbereitet. Für On-Prem-Kunden heißt es: 2410 ist das Ende des Weges, am 30. April 2027 fällt der Vorhang. Wer jetzt mit der Migrationsplanung beginnt, wandelt die Pflicht in eine Chance – und landet auf einer Plattform, die technologisch endlich wieder vorne mitspielt.




